Aus dem Staunen nicht mehr rauskommen

Der Trip nach Uyuni soll einer meiner Reisehöhepunkte werden. Dementsprechend freu ich mich da auch schon riesig drauf!!
Schon früh begebe ich mich zum Treffpunkt der Agentur. Es ist saumässig kalt!! Ausser mir sind noch Maya und Josh, zwei junge Amerikaner mit von der Partie. Gemeinsam warten wir auf unsern Transport zur Grenze, der ganz chilenisch eine halbe Stunde zu spät auftaucht. Aber wir schaffen es zur Grenze, koennen auswandern und weiter geht es zum Grenzposten nach Bolivien, wiedermal mitten im Nirgendwo der Anden. Alles laeuft problemlos und wir fahren zu unserem ersten offiziellen Halt, einer kleinen Hütte in den Bergen, wo wir Fr
ühstück bekommen und dann unsere Sachen auf unsern Jeep umladen. Ronaldo, unsere Fahrer für die nächsten drei Tage scheint ganz nett zu sein, wenn auch nicht gerade gesprächig

Los gehts, vorebi an der Laguna blanca und der Laguna verde - zwei wunderschoöne Lagunen umrahmt von Vulkanen - hin zu einigen heissen Quellen. Hier lassen wir nicht nur die Füsse in das herrlich heisse Wasser hängen sonder auch unsere Seelen ein bisschen baumeln, ganz erfüllt von der atemberaubenden Landschaft ringsherum.

Als Ronaldo zum Aufbruch drängt sind meine Fuüsse schonmal wieder warm, und so langsam findet auch die Sonne zu ihrer vollen Stärke. So ist die Fahrt zu den Geysiern auf 5200m wenigstens nicht mehr kalt.

Dafür macht sich die Höhe aber schon ein bisschen bemerkbar, vor allem, als wir auf dem Geysierfeld herumspringen. Wenn irgendwer mal das Bedürfniss verspühren sollt, herausfinden zu wollen, wie man sich mit 85 vermutlich fühlt - that's the way to do it! Aber natürlich bleibt trotz Kurzatmigkeit und leichter Übelkeit von den Schwefeldämpfen genug Zeit das Ganze hier zu geniessen - ziemlich abgefahren, was Mutter Natur sich da manchmal so ausdenkt!


Die Fahrt führt uns weiter durch wunderschöne Vulkanlandschaft - die Berge hier sind so anders als alles was ich aus Europa kenne und ich komme aus dem Staunen tatsaechlich nicht heraus. Die Farbe des Gesteins reicht von grau über gelb-orange und rot bis hin zu gruen und lila. Vulkanasche und Geröll bestimmen das Bild, Vegetation ist spärlich hier oben.

Auf 4800 m liegt die Laguna Colorada. Das Wasser dieser Lagune ist von einem rot-rosa Ton, genau wie seine Bewohner, die Flamingos.

Wie die meisten Lagunen des Altiplanos ist auch diese hier ein Salzsee, allerdings mit Mineralsalzen angefüllt, nicht Meersalz. Das besondere hier aber sind die riesigen Salzinseln, die in der Lagune wie Eisberge zu schwimmen scheinen.

Da wir die Nacht hier verbingen haben wir den ganzen Nachmittag Zeit in der Sonne die Lagune zu erkunden, Flamingos und andere Vögel zu bewundern, den Lamas und Vicuñas zuzusehen und auf den Salzinseln rumzukraxeln.

Doch sobald die Sonne untergegangen ist - was by the way ziemlich schön war - ist es hier ziemlich kalt

und wir flüchten uns in den Aufenthaltsraum um uns an einer Tasse Tee ein wenig aufzuwärmen. Allerdings ein ziemlich hoffnungsloses Unternehmen, da der Raum, wie auch die ganze Unterkunft unbeheitzt aus einfachen Steinmauern besteht, die auch während des Tages wegen des Windes ziemlich ausgekühlt sind. Und so helfen weder Tee, noch Spaghetti oder fünf Lagen Kleidung wirklich gegen die Kälte. Doch mit ein bisschen Hausmusik und guter Laune halten wir es erstaunlich lange in der Kälte aus, bevor wir es uns versuchen in Schlafsäcken und unter Wolldecken bequem zu machen.

Aber trotz der vielen Decken ist es eine ziemlich kalte Nacht und ich kann es kaum erwarten, dass die Sonne wieder aufgeht! Denn mit Sonnenaufgang kommt wenigstens ein bisschen Wärme zurueck in meine Knochen.

Nach dem Frühstück fährt uns Ronaldo zu einem Tal mit aberwitzigen Felsformationen, benannt nach der eindrücklichsten, dem Arbol de Piedra - der Steinbaum, einem Fels, der durch Arrosion die Gestalt eines Baumes angenommen hat. Wir kraxeln eine ganze Weile auf den Felsen herum, geniessen Ruhe und Sonne. Aber wie es manchmal halt so ist, wer klettert kann auch fallen. Und ganau das tut Maya und zwar so unglükclich, dass sie sich bei der Gelegenheit den Fuss verletzt. So, jetzt ist es ja gut, dass ich mal was mit Knochen machen will. Klinische Diagnose MCP II oder III Fraktur. Also packen wir Maya ins Auto und fahren mehr oder weniger direkt nach Uyuni, der nächst grösseren Stadt, in der ein Röntgengerät zur Verfügung steht. Ich muss zwar grinsen beim Anblick der Röntgenkugel - Bapo, war das nicht so ein Teil, mit dem du in Indien damals schon gearbeitet hast?? - aber es tut seinen Dienst und siehe da, ich hatte recht *sostolzbin*, MCP II Fraktur, leider Mehrfragment mit Fehlstellung. Arme Maya hat natürlich nix davon, der verpassen wir, wenn auch mit einigen Anlaufversuchen einen halbwegs passablen Gips, der auch unter den strengen Augen von Prof. OT standgehalten haette. Dann fährt Ronaldo mit Josh und Maya nach Sucre, damit sie von dort nach La Paz und zurück in die Staaten fliegen kann. Ich bleibe in Uyuni, auf Kosten der Reiseagentur und habe seit langem mal wieder ein Einzelzimmer mit eigenem Bad - Luxus pur!!!

Da ich ja meine Tour wegen des Unfalls unterbrechen musste ist mit der Agentur vereinbart, dass ich den letzten Tag der Tour von Uyuni am nächsten Tag starten kann und abends dann nach Uyuni zurückkehre.

Der nächste Morgen startet nett mit einem guten Frühstück und Gesellschaft von zwei Brasilianern, Marcus und Marcio, mit denen ich mich nach dem Frühstück auf Shoppingtour begebe - endlich warme Klamotten, Alpaca und so. Die Jungs haben einenm Trip von hier nach San Pedro gebucht, so dass ich leider viel zu schnell Abschied nehmen muss. Mit einem Privatwagen werde ich zum Cementerio de los Trenes, dem Zugfriedhof gefahren. Hier stellt sich allerdings heraus, dass das Auto, mit dem ich meine Tagestour machen sollte bereits voll besetzt ist. Also heisst man mich warten, bis das nächste Auto der Tourgesellschaft hier eintrifft. So streife ich völlig alleine und verlassen durch dieses unwirkliche Gelände alter, rostiger Lokomotiven.

Und wie es der Zufall so will, das Auto, das mich weiter mitnehmen soll ist das Auto, in dem meine brasilianischen Modeberater sitzen. Gemeinsam mit zwei Engländern, James und Al und einer Spanierin, Cristina werde ich meinen Tag also verbringen - super!!!

Nachdem wir den Zugfriedhof verlassen haben steuern wir mit kleinem Zwischenhalt in einem kleinen Pueblo direkt auf den Salar de Uyuni zu, den grössten und höchstgelegenen Salzsee der Welt. Es ist unglaublich, 1.200 Quadratkilometer, das heisst weiss, soweit das Auge reicht. Auf die Art und Weise lassen sich einige lustige Bilder machen


Das Salzhotel, welches wir auf unserm Weg noch besuchen, beeindruckt mich nicht besonders. Statt normaler Mauer bestehen die Wände hier aus Salzblöcken, die aus der acht Meter dicken Salzschicht herausgeschnitten wurden.

Aber was mich beeindruckt ist die Incuahnacu, eine Insel mitten im Salar, die so gut wie nur von Kakteen bewachsen ist. über 12 Meter sind manche, was beieiner Wachstumsrate von einem Meter pro 100 Jahre ein stattliches Alter von 1.200 Jahren bedeutet...

Und eine weitere Überraschung wartet hier auf mich. Es gibt schon wieder kein Auto, das mich zurück nach Uyuni fährt. Statt dessen macht mir die Agentur das Angebot mit meiner Gruppe die Nacht im Hotel auf dem Salar zu verbringen und am nächsten Morgen mit einer anderen Gruppe von dort zurückzufahren - works for me... So verbinge ich also einen super netten Tag und einen weinlastigen Abend mit Cristina und den Jungs und bin ziemlich traurig, als ich am nächsten Morgen in die andere Richtung mit einer anderen Gruppe aufbrechen muss.

Über den Rückweg lässt sich nur eines sagen - wer spanisch kann ist klar im Vorteil und hat den Fahrer auf seiner Seite und ich bin froh, dass ich gestern eine super Gruppe hier hatte! Zurück in Uyuni checke ich im Youth Hostel ein und wandere lange durch den Ort. Wie auch San Pedro ist Uyuni eher klein, aber immerhin gibt es hier zwei Plätze auf denen man sich super die Sonne auf den Bauch scheinen lassen kann. Und um die Reihe der Überraschungen nicht abbrechen zu lassen treffe ich Pablo, meine peruanische Reisebekanntschaft aus San Augustin wieder und wir havben einen richtig unterhaltsamen Abend im Salz-Pub zusammen.

Morgen geht es für mich weiter nach Potosí, einer der ältesten und ehemals reichsten Städte Bloiviens, berühmt für seine Silberminen. Doch das meine Freunde, ist eine andere Geschichte...

22.5.09 05:33

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